12.04.2011 11:07
Strompreise sprunghaft gestiegen
Politik muss den Kernenergieausstieg sorgfältig planen, auch unter Kostenaspekten
„Eine beschleunigte Abschaltung der deutschen Kernkraftwerke wird die Strompreise dauerhaft höher halten und gleichzeitig die wichtige Versorgungssicherheit beeinträchtigen. Das spüren zuerst und unmittelbar die industriellen Stromkunden, die ihren Strom nach tagesscharf kalkulierten Strompreisen von ihren Lieferanten beziehen“, so Dr. Annette Loske, Hauptgeschäftsführerin des VIK. „Der Moratoriumsbeschluss hat sich außerdem bereits jetzt auf die CO2-Preise für den EU-Zertifikatehandel mit 2 Euro/MWh deutlich verstärkend ausgewirkt.
Am Beispiel einer relativ kleinen, mittelständischen Papierproduktion* summiert sich das wie folgt:
- Die Strompreisdifferenz von ca. 7 €/MWh (vor bzw. nach dem Moratorium, siehe Abb. 1) bedeutet Strommehrkosten von 350.000 € jährlich, wenn der Strom für das kommende Jahr nach dem Moratorium kontrahiert wurde
- Die entsprechende Zertifikatpreisdifferenz von ca. 2 €/MWh steigert die Kosten für zuzukaufende Zertifikate um rund 12.500 € (vor bzw. nach dem Moratorium, siehe Abb. 2).
Alle bestehenden, geplanten bzw. sich ergebenden
Energiepreisbelastungen müssen nach Ansicht des VIK bei einer
Entscheidung für einen beschleunigten Kernenergieausstieg auf den Tisch.
Energie in Deutschland muss sich vorrangig an den Bedürfnissen der
Industrie ausrichten.
„Wir können den Umbau des Energieversorgungssystems nur schaffen, wenn jemand da ist, der ihn bezahlen kann. Dafür ist sowohl bei der Industrie und als auch beim Privatverbraucher eine gesunde Wirtschaft die grundlegende Voraussetzung. Hau-Ruck-Entscheidungen verbieten sich deshalb. Ein neues Energiekonzept – mit vernünftigen Rahmenbedingungen – muss her. Nur auf dieser Basis können die Lasten gesellschaftspolitisch vernünftig verteilt werden“, Frau Dr. Loske.
* Kleiner industrieller Stromkunde mit einem Strombedarf von 50 Mio. kWh im Jahr.

