Versorgungssicherheit im Fokus

Mit dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG) sollen neue gesicherte Kraftwerkskapazitäten geschaffen werden. Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung dieser Instrumente zeigt sich jedoch bereits heute ein deutlicher Trend: Die installierte gesicherte Kraftwerksleistung in Deutschland ist in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich zurückgegangen.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Vergleich der Kraftwerkslisten der Bundesnetzagentur aus den Jahren 2022, 2024 und 2026. Auffälig dabei: Kohlekraftwerke werden häufig nach marktausscheiden nicht endgültig stillgelegt, sondern werden aus Gründen der Systemrelevanz in der Netzreserve weiter betrieben.

Auf einen Blick

12 %
Weniger gesicherte Kraftwerksleistung
Die installierte gesicherte Kraftwerksleistung ist zwischen 2022 und 2026 von rund 95 GW auf 83 GW gesunken.
-19 GW
Weniger Leistung am Strommarkt
Die am Strommarkt verfügbare gesicherte Leistung ist im gleichen Zeitraum um mehr als 19 GW zurückgegangen.
+97 %
Mehr Leistung außerhalb des Strommarktes
Die außerhalb des Strommarktes vorgehaltenen Kraftwerkskapazitäten haben sich nahezu verdoppelt.

Kohleausstieg: nicht jeder Kohleausstiegswunsch bedeutet das Ende eines Kohlekraftwerksblocks

Die Analyse zeigt, dass der Kohleausstieg bislang vor allem am Strommarkt sichtbar wird. Ein erheblicher Teil der aus dem Markt genommenen Kohlekraftwerksleistung wurde nicht endgültig stillgelegt. Stattdessen wurden zahlreiche Anlagen aufgrund ihrer Systemrelevanz in Reserveinstrumente, insbesondere die Netzreserve, überführt. Sie stehen damit weiterhin für den Einsatz zur Verfügung und bleiben Teil der gesicherten Erzeugungskapazität.

Die Kraftwerkslisten zeigen damit, dass der Rückgang der am Strommarkt verfügbaren Kapazitäten deutlich größer ausfällt als der tatsächliche Rückgang der insgesamt installierten gesicherten Leistung.

Die Überführung von Kraftwerken in die Netzreserve kann zwar dazu beitragen, Betriebsstunden und Emissionen einzelner Anlagen zu reduzieren. Gleichzeitig bleiben die Kraftwerke jedoch betriebsbereit und verursachen weiterhin Kosten für Vorhaltung, Betrieb und Instandhaltung. Der Betrieb von Kraftwerken in der Netzreserve ist für den Stromverbraucher letztlich teurer, weil anders als Kraftwerke am Strommarkt, die sich über den Wettbewerb und nur über tatsächlich verkauften Strom refinanzieren, Reservekraftwerke eine Vergütung für die Bereitstellung ihrer Leistung erhalten. Die gesamten Kosten für die Netzreserve werden über die Netzentgelte refinanziert und fallen als zusätzlicher Kostenpunkt zum Strombeschaffungspreis bei den Stromverbrauchern an. Hinzu kommen die Entschädigungszahlungen aus Steuergeldern, die im Rahmen der Kohleausstiegsausschreibungen geleistet wurden.

Entwicklung des deutschen Kraftwerksparks 2026

Entwicklung des deutschen Kraftwerksparks 2026

Die vollständige Analyse beleuchtet die Entwicklung der gesicherten Kraftwerksleistung seit 2022 und zeigt, in welchem Umfang der Kohleausstieg zu tatsächlichen Stilllegungen oder zur Verlagerung von Kraftwerkskapazitäten in Reserveinstrumente geführt hat. Darüber hinaus werden die Auswirkungen auf Versorgungssicherheit, Strommarkt und Netzkosten eingeordnet.

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Blick nach vorn

Der Neubau neuer gesicherter Kraftwerkskapazitäten kommt bislang nur langsam voran. Gleichzeitig deutet vieles darauf hin, dass ein erheblicher Teil der heutigen Reservekraftwerke noch über einen längeren Zeitraum benötigt wird, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Mit zunehmender Laufzeit entstehen zusätzliche Aufwendungen für Instandhaltung und Lebensdauerverlängerungen der Kraftwerke in der Netzreserve. Die Auswertung unterstreicht damit die Bedeutung eines zügigen Aufbaus neuer gesicherter Erzeugungskapazitäten.

Forderungen des VIK

Versorgung sichern
Keine weiteren Stilllegungen gesicherter Kraftwerksleistung ohne einen mindestens gleichwertigen Zubau neuer gesicherter Kapazitäten.
Markt stärken
Reservekraftwerken eine zeitweise Rückkehr in den Strommarkt ermöglichen, um Angebotsengpässe sowie Strom- und Netzentgeltbelastungen zu reduzieren.
Ausbau beschleunigen
Das StromVKG zügig umsetzen und das Ausschreibungsvolumen für neue gesicherte Kraftwerkskapazitäten bedarfsgerecht erweitern. Erneuerbare Energien sollten verstärkt mit Batteriespeichern kombiniert werden, um eine bedarfsgerechtere Einspeisung zu ermöglichen.
Bruno Wangemann
Ansprechpartner

Bruno Wangemann

Referent für Stromwirtschaft