Mit dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG) sollen neue gesicherte Kraftwerkskapazitäten geschaffen werden. Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung dieser Instrumente zeigt sich jedoch bereits heute ein deutlicher Trend: Die installierte gesicherte Kraftwerksleistung in Deutschland ist in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich zurückgegangen.
Zu diesem Ergebnis kommt ein Vergleich der Kraftwerkslisten der Bundesnetzagentur aus den Jahren 2022, 2024 und 2026. Auffälig dabei: Kohlekraftwerke werden häufig nach marktausscheiden nicht endgültig stillgelegt, sondern werden aus Gründen der Systemrelevanz in der Netzreserve weiter betrieben.
Die Analyse zeigt, dass der Kohleausstieg bislang vor allem am Strommarkt sichtbar wird. Ein erheblicher Teil der aus dem Markt genommenen Kohlekraftwerksleistung wurde nicht endgültig stillgelegt. Stattdessen wurden zahlreiche Anlagen aufgrund ihrer Systemrelevanz in Reserveinstrumente, insbesondere die Netzreserve, überführt. Sie stehen damit weiterhin für den Einsatz zur Verfügung und bleiben Teil der gesicherten Erzeugungskapazität.
Die Kraftwerkslisten zeigen damit, dass der Rückgang der am Strommarkt verfügbaren Kapazitäten deutlich größer ausfällt als der tatsächliche Rückgang der insgesamt installierten gesicherten Leistung.
Die Überführung von Kraftwerken in die Netzreserve kann zwar dazu beitragen, Betriebsstunden und Emissionen einzelner Anlagen zu reduzieren. Gleichzeitig bleiben die Kraftwerke jedoch betriebsbereit und verursachen weiterhin Kosten für Vorhaltung, Betrieb und Instandhaltung. Der Betrieb von Kraftwerken in der Netzreserve ist für den Stromverbraucher letztlich teurer, weil anders als Kraftwerke am Strommarkt, die sich über den Wettbewerb und nur über tatsächlich verkauften Strom refinanzieren, Reservekraftwerke eine Vergütung für die Bereitstellung ihrer Leistung erhalten. Die gesamten Kosten für die Netzreserve werden über die Netzentgelte refinanziert und fallen als zusätzlicher Kostenpunkt zum Strombeschaffungspreis bei den Stromverbrauchern an. Hinzu kommen die Entschädigungszahlungen aus Steuergeldern, die im Rahmen der Kohleausstiegsausschreibungen geleistet wurden.
Die vollständige Analyse beleuchtet die Entwicklung der gesicherten Kraftwerksleistung seit 2022 und zeigt, in welchem Umfang der Kohleausstieg zu tatsächlichen Stilllegungen oder zur Verlagerung von Kraftwerkskapazitäten in Reserveinstrumente geführt hat. Darüber hinaus werden die Auswirkungen auf Versorgungssicherheit, Strommarkt und Netzkosten eingeordnet.
Analyse herunterladenDer Neubau neuer gesicherter Kraftwerkskapazitäten kommt bislang nur langsam voran. Gleichzeitig deutet vieles darauf hin, dass ein erheblicher Teil der heutigen Reservekraftwerke noch über einen längeren Zeitraum benötigt wird, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Mit zunehmender Laufzeit entstehen zusätzliche Aufwendungen für Instandhaltung und Lebensdauerverlängerungen der Kraftwerke in der Netzreserve. Die Auswertung unterstreicht damit die Bedeutung eines zügigen Aufbaus neuer gesicherter Erzeugungskapazitäten.