22.07.2026
Pressemitteilung

Netzanschlusspaket und EEG-Novelle: VIK sieht wichtige Fortschritte und zwei zentrale Handlungsfelder

Berlin, 22. Juli 2026 – Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e. V. (VIK) sieht in dem vom Wirtschaftsministerium vorgelegten Referentenentwurf zum sog. „Netzanschlusspaket“ einen wichtigen Schritt, um die Netzanschlussverfahren in Deutschland effizienter und transparenter zu gestalten. Für die energieintensive Industrie sind leistungsfähige Netzanschlüsse eine zentrale Voraussetzung für Elektrifizierung, Dekarbonisierung und die Sicherung industrieller Wertschöpfung. Der VIK unterstützt daher die Initiative der Bundesregierung, sieht jedoch an mehreren Stellen Verbesserungsbedarf.

„Die Bundesregierung geht mit dem Netzanschlusspaket ein lange aufgeschobenes Problem an. Für die industrielle Transformation wird der Zugang zum Stromnetz zunehmend zu einem entscheidenden Standortfaktor“, sagt Christian Seyfert, Hauptgeschäftsführer des VIK. „Wer Elektrifizierung und Klimaneutralität voranbringen will, muss sicherstellen, dass industrielle Projekte die benötigten Netzanschlüsse rechtzeitig erhalten.“

Kritisch bewertet der VIK insbesondere die geplanten Regeln zur Priorisierung von Netzanschlussbegehren. Zwar schafft der Gesetzentwurf erstmals Priorisierungsvorgaben für die Vergabe knapper Netzanschlusskapazitäten. Die besondere Bedeutung industrieller Transformationsprojekte für Wertschöpfung, Beschäftigung und Dekarbonisierung wird dabei jedoch nicht ausreichend berücksichtigt. Der Verband fordert daher, industrielle Transformations- und Elektrifizierungsprojekte ausdrücklich als Priorisierungskriterium aufzunehmen.

Zudem warnt der VIK vor der vorgesehenen Möglichkeit, vertraglich zugesicherte Anschlussleistungen nach drei Jahren zu reduzieren, wenn sie noch nicht vollständig genutzt wurden. „Große Industrieprojekte werden über Jahre geplant und umgesetzt. Unternehmen müssen sich darauf verlassen können, dass zugesagte und bereits bezahlte Netzanschlusskapazitäten auch dann noch verfügbar sind, wenn die Anlagen in Betrieb gehen“, so Christian Seyfert. „Andernfalls drohen Investitionen in Transformation und Wachstum ausgebremst zu werden.“

Positiv beurteilt der VIK die vorgesehenen Transparenz- und Digitalisierungsmaßnahmen. Kapazitätskarten, digitale Netzanschlussportale und verbesserte Informationspflichten können Verfahren beschleunigen und die Planbarkeit für Unternehmen erhöhen. Gleichzeitig sollten die Vorgaben praxistauglich ausgestaltet und unnötige Bürokratie vermieden werden.

Zum ebenfalls vorgelegten Referentenentwurf der EEG-Novelle stellt der VIK fest, dass die vorgesehenen Reformen grundsätzlich in die richtige Richtung weisen. Der VIK unterstützt das Ziel der Bundesregierung, den Ausbau erneuerbarer Energien kosteneffizienter, netzverträglicher und stärker marktorientiert auszugestalten. Angesichts der sehr kurzen Konsultationsfrist behält sich der VIK jedoch vor, im weiteren Gesetzgebungsverfahren ergänzende Anmerkungen zu einzelnen Regelungen einzubringen.

„Jede Reform im Energiesystem muss auch die Kosten im Blick behalten. Erneuerbare Energien sollten dort und in dem Umfang gefördert werden, wo sie einen möglichst hohen Beitrag für Versorgungssicherheit, Systemstabilität und Wettbewerbsfähigkeit leisten“, betont Seyfert.

Der VIK appelliert an die Bundesregierung, das Netzanschlusspaket im weiteren Verfahren noch stärker an den praktischen Anforderungen der industriellen Transformation auszurichten. Schnelle und verlässliche Netzanschlüsse werden in den kommenden Jahren maßgeblich darüber entscheiden, ob Investitionen in klimaneutrale Produktionsprozesse in Deutschland realisiert werden.

Alexander Ranft
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Alexander Ranft

Fachbereichsleiter Politik und Kommunikation / Pressesprecher