Berlin, 01. Oktober 2026 – Die heute veröffentlichten bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelte für das Jahr 2027 bestätigen die Befürchtungen der energieintensiven Industrie. Durch die Kürzung des Bundeszuschusses zu den Übertragungsnetzkosten steigen die Belastungen insbesondere für Unternehmen in den höheren Spannungsebenen deutlich an. Aus Sicht des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. (VIK) ist das ein fatales Signal für den Industriestandort Deutschland und gefährdet damit Investitionen in Elektrifizierung und klimaneutrale Produktionsprozesse.
Nach Einschätzung des VIK trifft der Anstieg der Übertragungsnetzentgelte insbesondere industrielle Großverbraucher, die direkt oder nahe an den oberen Spannungsebenen angeschlossen sind. Für diese Unternehmen wirken sich steigende Netzkosten unmittelbar auf die Produktionskosten aus.
„Wer Elektrifizierung politisch fordert, muss auch dafür sorgen, dass Strom bezahlbar bleibt. Höhere Netzentgelte verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts und die Wirtschaftlichkeit von Transformationsprojekten gleichermaßen“, erklärt VIK-Hauptgeschäftsführer Christian Seyfert.
Bereits in seiner Stellungnahme zum Referentenentwurf hatte der VIK darauf hingewiesen, dass die Absenkung des Zuschussvolumens gegenüber 2026 einen Teil der erreichten Entlastung wieder zurücknimmt und die Wettbewerbsfähigkeit stromintensiver Unternehmen schwächt. Der Verband hatte gefordert, die Unterstützung mindestens auf dem Niveau des Jahres 2026 zu verstetigen. Zudem fordert der VIK die Kosten für die Transformation des Energiesystems dauerhaft aus den Netzentgelten herauszulösen und mit staatlichen Mitteln zu finanzieren, anstatt sie vollständig über die Stromkunden abzuwickeln.
„Der Netzausbau ist richtig und notwendig. Er ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Energiewende. Die damit verbundenen Transformationskosten dürfen aber nicht einseitig den Stromverbrauchern und insbesondere der Industrie aufgebürdet werden. Sonst ist die Energiewende ein Wettbewerbsnachteil für den Produktionsstandort Deutschland“, betont Seyfert.
Der VIK fordert die Bundesregierung daher auf, die Finanzierung der Netzinfrastruktur neu auszurichten und die Belastungen für industrielle Stromverbraucher wirksam zu begrenzen. Andernfalls drohen steigende Stromkosten die ohnehin angespannte Wettbewerbsfähigkeit vieler energieintensiver Unternehmen weiter zu verschlechtern. Die vorläufigen Preisblätter der Übertragungsnetzbetreiber lassen erwarten, dass auch die vorläufigen Preisblätter der Verteilnetzbetreiber für 2027 Kostensteigerungen ausweisen werden.
Fachbereichsleiter Politik und Kommunikation / Pressesprecher