Berlin, 20. Juli 2026 – Die Europäische Kommission will mit ihrem neuen „Electrification Action Plan“ den Anteil von Strom am Endenergieverbrauch bis 2040 verdoppeln. Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e. V. (VIK) unterstützt das Ziel der Europäischen Kommission, die Elektrifizierung als zentralen Baustein für Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz zu stärken. Allerdings gilt auch hier, das ehrgeizige Zielsetzungen allein keine Infrastrukturen schaffen. In Deutschland fehlen bereits heute verfügbare Netzanschlusskapazitäten. Nach Einschätzung des VIK wird dieser Engpass vielerorts noch bis weit in die 2030er Jahre bestehen und damit die von der EU erwartete Elektrifizierung für alle Sektoren und Branchen erheblich erschweren. Auch seien zu hohe Strompreise im internationalen Wettbewerb ein gravierendes Hindernis für mehr Elektrifizierung industrieller Prozesse.
„Wer die Industrie elektrifizieren will, muss Strom günstiger machen. Die Kommission erkennt richtigerweise an, dass hohe Stromkosten derzeit eine der größten Hürden für die Elektrifizierung industrieller Prozesse darstellen. Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit Europas sind die tatsächlichen Stromkosten im Vergleich zu anderen Weltregionen", so Christian Seyfert, Hauptgeschäftsführer des VIK.
Der Legislativvorschlag sieht unter anderem eine stärkere Harmonisierung der Netzentgeltprinzipien in Europa sowie zusätzliche Anreize für Elektrifizierung und Flexibilität vor.
Zum Legislativvorschlag für die Ausgestaltung der Netzentgeltregulierung und Energiesteuern der EU-Kommission sagt Seyfert: „Es ist positiv, dass der Vorschlag Industrienetzentgelte ausdrücklich weiterhin ermöglicht. Europäische Vorgaben dürfen die bereits laufende Netzentgeltreform in Deutschland nicht unnötig verzögern und die ohnehin bestehende Unsicherheit bei der Prognostizierung der Netzentgeltbelastung in den kommenden Jahren verstärken.“
Der VIK fordert die Bundesregierung und die europäischen Institutionen auf, die notwendigen Rahmenbedingungen für die vorgesehene Elektrifizierung zu schaffen. Dazu gehören wettbewerbsfähige Strompreise, ein beschleunigter Netzausbau, ausreichend Netzanschlusskapazitäten, sowie verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen. Nur so lassen sich die ambitionierten Elektrifizierungsziele der EU in der industriellen Realität übersetzen.
Fachbereichsleiter Politik und Kommunikation / Pressesprecher