24.09.2012
Pressemitteilung

Vergleich der Haushalts- und Industriestrompreise führt in die Irre

Haushaltsstrompreise und Strompreise der Unternehmen in Industrie, Gewerbe und Dienstleistung werden aktuell immer wieder gegeneinander gestellt und beflügeln eine neue Neiddiskussion. Tatsächlich aber lassen sich diese beiden nicht über einen Kamm scheren oder einfach vergleichen, so der VIK, die Interessenvertretung industrieller und gewerblicher Energiekunden. Eine solche Gegenüberstellung lässt zunächst mal außer Acht, dass es sich hier um vollkommen unterschiedlich zu bewertende Güter handelt. Denn es wird nicht berücksichtigt, dass in Haushalten der Strom schlicht konsumiert und in Unternehmen als Produktionsmittel eingesetzt und in wertvolle Güter umgewandelt wird. So wird ein vollkommen unnötiger Keil zwischen Bevölkerung und Unternehmen getrieben, zum Schaden der Energiewende und des Standortes Deutschland. Typische Haushalte mit einer Stromrechnung von ca. 900 Euro im Jahr (davon rund 125 Euro für die Förderung der erneuerbaren Energien) sind bei Kostensteigerungen von 10 Euro pro Monat zwar schwer getroffen, aber nicht in ihrer Existenz bedroht. Für Unternehmen allerdings, die sich international gegen harte Wettbewerber behaupten müssen, können Zusatzbelastungen, wie sie mit der Förderung erneuerbarer Energien zusammenhängen, schnell den Unternehmensbestand gefährden – hier kann es, je nach Größe des Unternehmens, schnell um 10.000 Euro oder auch Millionen Eurobeträge gehen. Mit allen Konsequenzen für die Mitarbeiter, die Gemeinde vor Ort und den Fortbestand des breit aufgestellten Industrielands Deutschland. Die Pendlerpauschale für Arbeitnehmer, die mit dem PKW zur Arbeit fahren, kann die Problematik etwas verdeutlichen. Der Autofahrer erhält eine Steuererstattung für die Benutzung des PKW auf dem Weg zur Arbeit. Die Steuererstattung – und damit die Ermäßigung des Benzin- oder Dieselpreises – erfolgt, weil der Pendler nicht zum Vergnügen zur Arbeit fährt, sondern weil er dies zwangsläufig tun muss, will er zur Arbeit gelangen und dort seiner Tätigkeit nachgehen. Ähnlich ist es bei den Unternehmen, die Strom nicht zum Kochen, Baden oder Fernsehen einsetzen, sondern um ein Produkt herzustellen oder eine Dienstleistung zu erbringen. Wird dies zu teuer, weil der Produktionsfaktor Strom im internationalen Vergleich unverhältnismäßig im Preis steigt, kann das Unternehmen so erzeugte Produkte nicht mehr absetzen. Für das Unternehmen gibt es für den Einsatz von Strom keine Alternative. Einsparoptionen sind zudem sehr weitgehend in der Vergangenheit bereits ausgeschöpft worden. Und so zeigt der Vergleich mit dem Pendler die Problematik der Unternehmen und macht deutlich, warum sie, die absolut gesehen, sehr große Energiekostenbelastungen zu tragen haben, die spezifische Entlastung brauchen, um weiterhin bestehen und unsere Wirtschaft am Laufen halten zu können.